IRO-Prüfung Spaleniste
Intercup Humanity 2012

Im österreichischen, kleinen Flughafen Linz angekommen, werde ich von Martin abgeholt. Ich kenne ihn noch von der Staatsmeisterschaft in der Tschechischen Republik (CZ) im Jahre 2010. Erst nach rd. einer Stunde überschreiten wir die Grenze zur Tschechischen Republik und sind schon nach weiteren 20 Minuten im Quartier, ein Ferienhaus in Spaleniste. Kurt Schafar aus Österreich und Hidehiro Murase aus Japan, ebenfalls als Prüfungsrichter eingeteilt, sind schon vor Ort. Auch der unter der Leitung von Christiane Geritzer eingesetzte Richteranwärter Lee Tae Won aus Südkorea ist vor Ort und begrüßt mich in seiner asiatisch freundlichen Art.

50 Teilnehmer, vorwiegend aus der Tschechischen Republik und Österreich stellen sich den IRO-Richtern im Rahmen des „Intercup Humanity 2012“. Die IRO-Prüfung wird von der Rettungshundebrigade von Spaleniste ausgerichtet.

Diese Rettungshundebrigade verfügt über ein eigenes, sehr großes Vereinsheim und hat auch die Anlagen für Fährte, Fläche und Trümmer direkt im Umfeld platziert. Leider bleiben zu wenige Eindrücke von der sicher sehr interessanten Landschaft übrig. Das Richten zieht sich hin über den ganzen Tag.

Freitag, ein sonniger Frühlingstag. Es starten bei mir die Teilnehmer der Flächensuche aus der Stufe A. Ein interessantes Flächengelände, als mittelschwer stufe ich es ein. Heute werden in dieser Disziplin nur 9 Prüflinge am Start sein. Dank einer straffen, sehr gekonnten Organisation klappt alles reibungslos. Nach einem Sprung über einen Graben gegen Mittag spüre ich einen deutlichen Schmerz am Lendenwirbel, verdränge ihn aber mit der nächsten Gruppe nach einem einfachen, aber guten Mittagessen.

Nachmittags wird die 2. Gruppe geprüft. Lee ist dabei. Ich erläutere ihm meine grundsätzlichen Beurteilungsgrundlagen und einige Eckpunkte aus der Prüfungsordnung (PO). Er macht seine Sache hervorragend. Ein Teilnehmer muss disqualifiziert werden, da der Rüde die Versteckperson nicht nur belästigt, sondern auch gebissen hat. Trotz zunehmender Schmerzen im Lendenwirbelbereich kann ich den Hundeführern mit erfolgreicher Anzeige auf dem Weg zum Hund folgen. Allerdings graut mir schon vor dem „Morgen“, denn da ist die Fläche B mit ebenfalls 9 Teilnehmern an der Reihe und das Gelände alles andere als rückenfreundlich wegen der erforderlichen Überquerung zahlreicher am Boden liegender Baumstämme. Gemeinsam mit Martin, dem für die Fläche B zuständigen Betreuer, legen wir am Samstagnachmittag nach der Flächensuche A die jeweiligen Verstecke im rd. 37.000 m² großen Gebiet fest.

Zum Heim zurückgekehrt, sorge ich vor und spreche meinen österreichischen Richterkollegen Kurt an wegen einer Schmerztablette für den Rücken. Die Erstversorgung ist gesichert. Mit meinem Rücken spricht sich rum wie ein Lauffeuer und ich staune nicht schlecht als ich feststelle, dass nahezu jeder gut mit solchen Tabletten versorgt ist. Von „harmlos“ bis „hammerstark“ war alles vorrätig.

Nach der Siegerehrung für die Stufe A - Teilnehmer/innen geht´s zum gemütlichen Teil über. Einige fahren nach Hause, andere sitzen in gemütlicher Runde im Heim. Wir gehen ins Appartement zurück. Kurts abendlicher, köstlicher Rotwein wirkt unterstützend für einen ruhigen, gemütlichen Abend. Die gute Portion Rotwein sorgt auch für Schmerzlinderung.

Samstagmorgens vier Unterordnungen und dann ab in die Fläche B. Ich bekomme 2 Tabletten in die Hand gedrückt und den Hinweis, dass sie im Abstand von 6 Stunden eingenommen werden müssen. Die Voltaren wird mir schon über den Tag helfen, hatte man mir versprochen.

Ja klar, der erste Hund findet als erstes die VP im weitesten Versteck. Die Hundeführerin eilt zu ihrem Hund, ich folge so gut es geht. Zur Strafe muss der Hund auch recht lange Bellen. Alles gesehen, zurück zur Ausgangsposition. Die vier Hunde am Vormittag arbeiten durchweg sehr ordentlich, wenn auch die eine oder andere Versteckperson nicht gefunden wird.

Mittagszeit mit einem guten Essen im Heim, das keine 100 m vom Flächengelände entfernt ist. Eigentlich geht´s mir gut. Die Tablette hatte wohl gewirkt. Gott sei Dank!

14:00 Uhr ist die nächste Teilnehmerin dran. Es ist 13:30 Uhr. Na gut, so ein wenig „worm up“ kann ja nicht schaden. Schon der Ansatz des Aufstehens scheitert, als ein stechender Schmerz die Aufwärmgedanken zunichte macht. „Sch….“, denke ich, bleibe sitzen und nehme erst einmal die 2. Tablette. 5 Minuten später starte ich, vorsichtiger als beim ersten Mal den 2. Versuch und ertrage den Schmerz. Das kann ja heiter werden.

Lee ist heute Nachmittag wieder dabei. Auch in der Fläche ist der Asiat gut angelernt und meistert seine Aufgabe. Offensichtlich ein guter Nachwuchs für die IRO. Nun geht es Schlag auf Schlag mit guten Hunden. Dauerbewegung ist angesagt. Soll ich ehrlich sein; am Liebsten hätte ich geheult vor Schmerzen; hab ich aber nicht. Die Österreicherin Monika mit ihrem in die Jahre gekommenen Berner Sennhund verschafft etwas Erholung, als der Rüde nach etwa der Hälfte der Zeit in den Arbeitsstreik tritt und die Arbeit abgebrochen werden muss. Die restlichen drei Hunde machen ihre Arbeit recht ordentlich und es gelingt mir (meistens), den Hundeführern/innen zu folgen. Dass ich dreimal einfach so auf die Nase gefallen bin, hat ja offensichtlich Keiner mitbekommen.

Für heute sind wir fertig, etwas Abendessen, ein wenig Diskussion in gemütlicher Runde, bei der so etwas lustig erzählt wurde, dass ich dreimal auf die Nase geflogen bin (von wegen unbeobachtet). Noch eine Tablette und ich lasse mich heim ins Appartement bringen. Es ist nicht einmal richtig dunkel und ich falle in einen komaähnlichen Schlaf.

Sonntag, 6:00 Uhr aufstehen und Koffer packen! 6:30 Uhr werde ich abgeholt, 7:00 Uhr muss ich vier Unterordnungen richten. Rücken schmerzt, aber es ist zu ertragen. Der Zeitplan ist offensichtlich hervorragend und alle Mitarbeiter/innen sind pünktlich. So selbstverständlich auch heute.

Wir fangen pünktlich an. Lee ist dabei. Die Unterordnungen und Gewandtheiten laufen gut ab, die teilweise in deutscher, teilweiser in Englisch abgegebenen und manchmal ins Tschechische übersetzten Kommentare beschreiben die vergebenen Bewertungen.

Ich verlasse das Gelände und will zum Trümmergelände wechseln. Christiane kommt mir, gerade aus dem Auto gestiegen, mit schmerzverzerrtem Gesicht und stark humpelnd entgegen. Sie hat sich offensichtlich ihren ohnehin schon lädierten Fuß verdreht und hat starke Schmerzen. Wir stimmen die Vorgehensweise mit dem Richteranwärter Lee ab und sind uns über die Qualität der gezeigten Leistungen einig.

Abschließend folgen noch vier Eignungsprüfungen Trümmer. Das läuft natürlich recht zügig und vor allem fast reibungslos ab. Ich bin froh, dass ich fertig bin, denn ich bekomme Magenschmerzen und der Rücken meldet sich auch wieder. Na ja, bald ist es überstanden.

Bewertungshefte, Bewertungslisten, Urkunden werden unterschrieben und ab geht´s nach Linz und von dort über Frankfurt wieder heim. Zeit zum auskurieren bis zum nächsten Einsatz, demnächst nach Romny in der fernen Ukraine, dann aber hoffentlich ohne Rückenschmerzen.

 

Walter

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